Künstler der orientalischen Musik

Mohamed Abdel Wahab (1910-1991)
Er war vom Ende der zwanziger Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1991 der Koloss in der ägyptischen Musik. Er startete seine Karriere als Sänger, wurde zum Filmstar und schliesslich zum bedeutendsten Komponisten der arabischen Welt im zwanzigsten Jahrhundert. Den größten Triumph seiner Laufbahn erlebte Wahab 1963. Damals komponierte er zum ersten und letzten Mal eine Weise für die "Königin des arabischen Gesangs", die berühmte Oum Kalthoum. Als das, so Ägyptens Presse, "von Allah geschickte Künstler-Paar" zusammen auftrat und Oum Kalthoum nach Wahabs Melodie das Liebeslied "Enta Omri" (Du bist mein Leben) sang, wurde das Ereignis in Ägypten wie ein Feiertag begangen. In Kairo blieben die Autobusse stehen, die Geschäfte machten zu.
Sechzig Jahre lang gab es eigentlich keinen Künstler von Bedeutung, dessen Karriere nicht in irgendeiner Weise von Mohammed Abdel Wahab beeinflusst oder berührt worden wäre. Er galt als Modernisierer der arabischen Musik, indem er westliche Stilrichtungen wie Tango und Walzer in die orientalische Musik einfliessen liess.

Da ich mich mit jeweiligen Themen im Tanz beschäftige und die passenden Informationen dazu erforsche, habe ich hier Daten zusammengetragen und eigene Ergänzungen hinzugefügt. Siehe Quellenverweis am Schluss.

Oum Kalthoum (1904 - 1975):
Ihr genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Die verlässlichste Angabe ist aus der Geburtsliste der Provinz Daqahliyya, der 4. Mai 1904.
Sie wuchs in einem kleinen Dorf im Gouvernement Ad-Daqahliyya auf. Ihr strenggläubiger und frommer Vater war Imam in der öffentlichen Moschee. Ihre Mutter war Hausfrau. Ihr Vater sang auf religiösen Feiern und rezitierte den Koran, begleitet von einem kleinen Orchester, wo auch ihr Bruder Khalid, den sie auch vertrat, wenn er krank war. Denn sie sang alle Lieder mit routiniert mit.
Oum Kalthoum begleitete ihren Vater oft und zeigte sich früh als Gesangstalent. Mit 12 Jahren trat sie auch schon selbständig auf.
Dabei war sie immer als Junge verkleidet,  um nicht gegen geltende Moralvorstellungen zu verstossen. Trotz Einladung nach Kairo durfte sie lange aus moralischen Gründen nur in der Heimatregion singen.
1923 begegnete sie zufällig dem von ihr längst bewunderten Scheich
Abu l-Ila, seinerzeit der „führende religiöse Sänger in Ägypten und der Hauptvertreter der klassischen islamischen Gesangstradition“, Abu l-Ila unterrichtete sie und lehrte sie vor allem „wie man die Bedeutung der Worte in Tönen ausdrückte“. Er regte erneut an, dass sie nach Kairo zöge, da nur dort ihr Talent angemessen wachsen könne. Nach schwerem Streit mit ihrem Vater gab dieser endlich nach, gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Bruder zog sie nach Kairo. Dort bekam sie unterstützt durch finanzielle Hilfe und Stütze ihres Vaters, Gesangsunterricht. 1926 trat sie das erste Mal auf, 1928 galt sie bereits als eine der führenden Sängerinnen in Kairo. 1932 tourte sie bereits international. 1935 begann sie eine kurze Filmkarriere.  Ihr „goldenes Zeitalter“ war in den frühen 1940er bis 1950iger.  Sie sang Lieder von berühmten Komponisten wie Zakariya Ahmad, Bayram al-Tunisi und später von Riyad al-Sunbati. Mit Abd al-Wahab produzierte sie den Liebes-Song
„Enta Omri“ (du bist mein Leben).
Nach fast sechzigjähriger Bühnenkarriere  starb sie 1975 an einer Nephritis. Seit 1930 plagten sie gesundheitliche Probleme mit ihrer Galle und Leber. Ihr Begräbnis war ein Staatsbegräbnis gleich. Mehrere Millionen Trauender fanden sich in den Strassen Kairos ein, nahmen den Sarg von den offizellen Sargträgern und trugen ihr Sarg drei Stunden durch
die dichtgedränten Strassen auf ihren Schultern. Viele Staatsoberhäupter nahmen an der Trauerfeier teil.
Sie ist unbestreitbar die grösste Sängerin des Orient. Diese Frau, hielt in ihrer Blütezeit die arabische Welt wahrhaft in den Händen.
Ihre verblüffende stimmliche Geschmeidigkeit und ihre meisterliche Beherrschung des komplizierten Maqamat, verdankt sie ihrer Ausbildung in religiösem Gesang. Ihre Stimme war der Inbegriff des arabischen Ideals. In ihrer langen Karriere spezialisierte sie sich auf Liebeslieder, die manchmal eine Stunde lang andauern konnten, und sie improvisierte und verzierte ein Thema in einer Weise, die das Publikum zur Raserei brachte. Sie wurde einmal gebeten, einen Vers zweiundfünfzig mal
zu singen -, was sie auch tat und dabei die Melodie jedes Mal anders ausschmückte. Jeden ersten Donnerstag im Monat wurde im ägyptischen Fernsehen ein neuer Song von ihr vorgestellt. Es heisst, dass jeder Araber ihre Lieder mitsingen kann.

Abdel Halim Hafiz (1927-1977)
Abdel Halim wurde in El-Halawat, 80 Km nördlich von Kairo geboren. Seine Mutter starb nach seiner Geburt und dann auch sein Vater fünf Monate später. Er und seine zwei Brüder und Schwester wuchsen im Waisenhaus auf. Später dann bei seiner Tante und Onkel in Kairo. Mit elf Jahren lernte er die Lieder von Mohamed Abdel Wahab singen. 1952 wurde er als Ersatzsänger für Karem Mahmoud in letzter Minute für eine  geplante Live-Radio-Performance eingesetzt.  Diese Performance wurde von Hafez Abd El Wahab gehört, der damals der Musikleiter vom ägyptischen Nationalradio war. Abdel Halim nahm „Hafiz“ (Vornahme von Mohamed Abd El Wahab) als Künstlername als Anerkennung seines Patronats.
Er war immer ein Livesänger und hatte nie Studioaufnahmen gemacht. Auch viele Instrumente beherrschte er wie Oboe, Drums, Piano, Klarinette, Oud und Gitarre. Anfangs seiner Singkarriere, wurde er vom Volk abgelehnt durch seine neue Art. Später liebten ihn die Leute und nannten Ihn die 'Nachtigall des Nils'. Mit kaum zwanzig Jahren bestimmte er die musikalische Arena. Er wurde zu einem Lieblingssänger seiner Zeit.  Abdel Halim kam mit elf Jahren in Kontakt mit der Bilharziose und litt bis an sein Lebensende an dieser
Krankheit. Er starb 1977, als vielleicht letzter Superstar der grossen Künstlerepoche. Er ist in der Ali Rifa‘i Moschee in Kairo begraben.

Farid EL Atrache (1914 - 1974) (Syrier):
Farid wuchs in einer Drusenfamilie ( eine im Jahr 1010 entstandene Religionsgemeinschaft) auf und wurde hauptsächlich durch seine Mutter, die eine hervorragende Oud-Spielerin und Sängerin war, erzogen. Der Vater kümmerte sich wenig um die Familie. 1920 verliess die Familie Syrien und fanden Zuflucht in Ägypten wo sie die ägyptische Staatsbürgerschaft  erhielten.  Mit seiner Schwester, Asmahan, trat Farid  musikalisch viel auf. Auch zwei Spielfilme machten sie zusammen. Zuerst wurde er  als Oud-Spieler und später dann auch als Sänger bekannt durch private Rundfunkstudios. Bald wurde er im Nationalrundfunk in Kairo engagiert. Er war auch ein hervorragender Komponist. Als seine Schwester 1944 verstarb, fiel er in eine tiefe Depression. Farid bekam früh den Namen „Der traurige Sänger“, weil er von verlorener Liebe sang. Er sang aber auch romantische politische  und fromme Lieder. Er sang aber immer mit einem ausserordentlichen Einfühlungsvermögen, dass sein Publikum stets in den Bann zog. Seine Stimmer veränderte sich von einer hohen Tenorstimme  die sich mit den Jahren vertiefte. Sein Stil war immer arabisch, hat sich aber auch den westlichen Einflüssen nicht entzogen. Sein berühmtes Lied „ Ya Zahratan“ (eine Blume in meiner Fantasie), ist ein flotter Tango. Durch seine Filmkarriere lernte er die berühmte Bauchtänzerin Samia Gamal kennen. Sie spielten viele Filme und waren auch privat ein Liebespaar. Er war aber nie verheiratet und trennte sich auch wieder von ihr, da er  der Meinung war, dass eine Ehe und eine künstlerische Zusammenarbeit sich nicht gut vertragen. Er hatte viele Liebesbeziehungen, unter anderem auch mit König Faruks Ex Frau Farida. Farid hatte gesundheitliche Probleme mit dem Herzen. Die schlimmer werdende Herzkrankheit sah man ihm an und fast hätte er die junge ägyptische Sängerin Shadia geheiratet. Im letzten Moment macht er aber ein Rückzieher. Er meinte, dass er Shadia nicht zu einer jungen Witwe machen möchte. Doch Gerüchte sagen, dass keine Frau die seelische Leere, die seine Schwester Asmahan hinterlassen habe, füllen könnte. Erst 59 Jahre alt, verstarb Farid in Beirut, denn er übersiedelte in seinen späten Jahren zurück in den Libanon. Begraben ist er in Kairo neben seiner Schwester Asmahan und seinem Bruder. Er ist noch heute unvergessen  und wird immer noch als "König der Oud" genannt. Seine grosse Liebe zur Oud (Kurzhalslaute) zeigt sich insbesondere in einer Improvisation (Taqsim) am Anfang seines bekanntesten Werkes, "El Rabaiî" (Der Frühling). Dieser Taqsim gilt heute noch als Messlatte für alle Oud-Spieler.
Quellen:
http://www.orientalischer-tanz.ch
http://de.wikipedia.org
http://lyricstranslate.com/de
http://www.fanoos.com
http://www.ambafrance-bh.org
http://www.spiegel.de
http://nawal.de/kuenstler.html
http://www.chj.de
http://almashriq.hiof.no
und eigene Ergänzungen.
 
Ich distanziere mich ausdrücklich von der Richtigkeit dieser Angaben.